Presse "Leserbriefe"
Thema: Es gibt wichtigeres als HarmoS  

                             

Es gibt wichtigeres als HarmoS 
(zur kantonalen Abstimmung vom 30.11.08)

Die interkantonale Vereinbarung über die Harmonisierung der Volksschule, abgekürzt „HarmoS“ bewegt die Gemüter. Niemand bestreitet, dass gewisse Eckwerte wie Dauer der Schule, gewisse Bildungsstandards oder Schulpläne gesamtschweizerisch abgestimmt werden müssen. Weitergehende Vereinheitlichungen haben sich jedoch auf die Bedürfnisse der Kinder auszurichten. Den Eltern ist auch bei geänderten Familienstrukturen die Möglichkeit zu geben, ihre Kinder in den ersten Lebensjahren zu prägen. Das braucht Zeit und findet idealerweise innerhalb der Familie statt. Deshalb ist hinter die Fremdbetreuung der Kinder im Vorneherein ein Fragezeichen zu setzen. Der Entscheid der verordneten Einschulung bereits der Vierjährigen kann deshalb mit gutem Recht hinterfragt werden.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor betreffen die Kosten und der bürokratische Aufwand der geplanten Reformen. Selbst in Lehrerkreisen ist man sehr kritisch hinsichtlich finanziellen Aufwendungen zB. für die Betreuung der Kinder über den Mittag, die Sicherstellung der Blockzeiten oder die geplante Einführung der Basisstufe (ersetzt den Kindergarten sowie die 1. und 2. Klasse). Für alle aufgezählten Bereiche ist Mehrpersonal und zusätzlicher Schulraum notwendig. Mit Fug und Recht wird von einer unnötigen Verteuerung des Bildungswesens gesprochen.

Hätten wir nicht dringenderen Handlungsbedarf im Führungsbereich, damit die guten Lehrkräfte nicht unter den schlechten zu leiden haben. Das bedingte die Einführung klarer Führungsstrukturen in der Volksschule. Mit anderen Worten, wir brauchen Führungskräfte als Schulleiter, die auch über die Kompetenz zu Entlassungen verfügen.

Gesamthaft bin ich deshalb der Meinung, dass die grössten Probleme unseres Schulwesens in der menschlichen Komponente und nicht im Fehlen landesweit verbindlicher Ausbildungsstandards liegen. Wir müssen unseren fähigen Lehrkräften wieder vermehrt den Rücken stärken, denn diese haben im Leben eines Kindes eine enorme Bedeutung. Dann wird die Bildungsqualität in unseren Volksschulen automatisch wieder zunehmen, ohne dass wir die Schule verstaatlichen und die Kinder den Müttern zu früh entreissen. Insgesamt sind somit gewisse Zweifel am HarmoS-Konkordat berechtigt. Haben wir doch vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung wichtigere Probleme zu lösen, als bereits den Vierjährigen die Schriftsprache aufzuzwingen. Ein Indiz dafür ist auch der Umstand, dass Schulreformen in sämtlichen umliegenden Staaten auf Widerstand stossen.

 

Oskar Gächter, Berneck

Kantonsrat SVP
17.11.2008