Die Wirtschaftskrise und die
Schweizer Tugenden
Verzweifelt versucht die
westliche Welt in der momentanen
Weltwirtschaftskrise
einsturzgefährdete Konzerne und
trudelnde Banken mit
Milliardenpaketen aus leeren
Staatskassen zu stützen. Die
maroden Finanzanlagen werden
aber dadurch nicht besser. In
Kauf nimmt man eine Inflation
(Geldentwertung), die das
Ersparte von Millionen hart
arbeitender Menschen mitunter
vernichtet. Uebrig bleiben
schliesslich Steuererhöhungen
und Milliardenschulden für
unsere Nachkommen. Ich frage
mich: Wo liegt somit der Sinn
derartiger Operationen? Kommt
hinzu, dass niemand wirklich
abschätzen kann, was noch auf
uns zukommt. Erinnerungen an die
Krise 1929, welche in den
zweiten Weltkrieg ausuferte,
werden wach. Unsichere Zeiten
rufen unweigerlich nach den
echten Schweizer Tugenden.
Unabhängigkeit, direkte
Demokratie, Föderalismus,
Mehrsprachigkeit, Neutralität
und Arbeitswille haben uns stark
gemacht. Die aktuelle Krise nagt
auf gefährliche Weise an unseren
ehemaligen Erfolgsfaktoren. Soll
in der Schweiz noch mehr von
dem, was sie einmal stark
gemacht hat, zusammenbrechen?
Ohne Gegenleistung geben wir
laufend Trümpfe aus der Hand:
Swissair, 40-Tönner auf unseren
Strassen, Personenfreizügigkeit,
Aufhebung der Grenzkontrollen,
Plünderung der Sozialwerke usw.
Stabilität, Sicherheit und
Berechenbarkeit sind uns
abhanden gekommen. Nun hat ein
teils überforderter Bundesrat
auch noch das Bankgeheimnis
geopfert und sich erpressen
lassen. Politische Euroturbos
und Globalisierungsfanatiker
sind daran, unseren Finanzplatz
zu zerstören. Schliesslich haben
grössenwahnsinnige, vorwiegend
ausländische Finanzmanager,
welche den Schutz der
Privatsphäre der Kunden mit
kriminellen Machenschaften
verwechselten, der Schweiz
irreparablen Schaden zugefügt.
Aus einer ehemals gesunden
Schweizerbank ist ein vom Staat
gestützter Schuldenkoloss
geworden. An den Schalthebeln
sassen teils Verwaltungsräte und
Aufsichtsbehörden, die über
fette Bankkonten, nicht aber
über Fachkompetenz und
Glaubwürdigkeit verfügten. Als
Folge davon hat der Steuerzahler
nun sogar noch die kaum
gerechtfertigten Bonuszahlungen
zu finanzieren. Die Wut in der
Bevölkerung ist deshalb mehr als
verständlich.
Was
ist zu machen? Ganz nüchtern
betrachtet bleibt dem
Normalbürger nichts anderes
übrig als alles zu akzeptieren.
Tatenlos müssen wir zusehen, wie
namentlich in den USA riesige
Schuldenberge angehäuft werden
mit katastrophalen Auswirkungen
auch auf unser Land. Die Devise,
besser, nicht grösser zu werden,
wäre wahrscheinlich
erfolgversprechender. Insofern
bietet die Krise auch eine
Chance, nämlich dann, wenn wir
die Globalisierung ernsthaft
hinterfragen. Das Profitstreben
und die Masslosigkeit einiger
tausend Banker haben uns
gezeigt, wohin die
Globalisierung führt. Der kleine
Mann muss mitunter um seine
Ersparnisse zittern, und die
halbe Welt ist in eine schwere
Rezession geglitten. Zusammen
mit der Ueberfremdung droht die
schöne Schweiz, wie sie einmal
war, unterzugehen, wenn nicht
besonnene und mutige Unternehmer
und Politiker das Steuer noch
herumreissen. Vorerst hoffen wir
nun aber trotz allem, dass nicht
der Steuerzahler das
wirtschaftliche Versagen
ausbaden muss. Ein Neubeginn auf
tieferem Niveau täte vor allem
den Schuldigen und Auslösern der
Krise gut. Leider müssen aber
einmal mehr die Falschen um ihre
Arbeitsplätze bangen. Wir müssen
uns deshalb nicht verwundern,
wenn die sozialen Probleme
wachsen und die Verbitterung in
der Bevölkerung steigt.
Oskar Gächter,
9442 Berneck
Kantonsrat SVP
20.05.09