Der
SVP Lehrplan ist mehr
als Parteipolitik
Kürzlich hat sich
FDP Kantonalpräsident Marc
Mächler berufen gefühlt, den
durch eine Gruppe aktiver
Lehrkräfte ausgearbeiteten SVP
Lehrplan (er kritisiert gewisse
Punkte des Lehrplanes 21) als
billige Parteipolitik abzutun.
Interessanterweise sieht sich
Mächler einer steigenden Anzahl
von Lehrern gegenüber, welche
den Lehrplan der SVP
unterstützen.
Unbehagen in
den Schulstuben
Tatsache ist,
dass unseren Lehrkräften im
heutigen Schulwesen Vieles
Kopfzerbrechen bereitet. Man ist
generell besorgt über das auf
dem Rücken der Kinder
angeschlagene Tempo der
Reformen. Eine Neuerung jagt die
Andere. Die Akademisierung des
Lehrerberufes geht zu weit. Die
Lehrkräfte sind zusehends
anstelle der Eltern auch
Erzieher. Die Bürokratisierung
nimmt verheerende Formen an.
Praxisferne Bildungsfunktionäre
erschweren den Lehrpersonen das
Leben. Lehrkräfte sehen sich der
Kritik unvernünftiger Eltern
ausgesetzt. Es bestehen viel zu
viele Lehrmittel. Der
Klassenlehrer als Bezugsperson
des Schülers soll abgeschafft
werden. Die Wertschätzung ist
nach wie vor im Sinken
begriffen. Die Zuwanderung
drückt vehement auf das
Leistungsniveau usw.
Unzulänglichkeiten des
Lehrplanes 21
Der Lehrplan 21
orientiert sich an Fachbereichen
und nicht an klar abgrenzbaren
Fächern. Es werden neue Fächer
auf Kosten Anderer eingeführt.
Berufliche Grundanforderungen
wie Ordnung und Zuverlässigkeit
werden ausgeklammert. In diesem
Kontext bemängeln zahlreiche
Lehrkräfte auch das fehlende
Mitspracherecht. Man kann eine
Volksschule nicht ohne die
Beteiligten und ohne das Volk
umkrempeln. Die SVP bezweifelt
somit, dass der Lehrplan 21 zu
einer qualitativ besseren Schule
führt. Sie möchte deshalb die
Schulprobleme ganzheitlich
angehen und vor allem das
Leistungsprinzip wieder
voranstellen. Denn in unserer
Wirtschaftswelt wie
beispielsweise im Bankwesen
werden aufgrund klar
formulierter Anforderungen nur
die besten Schulabgänger als
Lehrlinge berücksichtigt.
Deshalb fordert die SVP in ihrem
Lehrplan, im Gegensatz zum
Lehrplan 21, klare
Leistungsziele, Ueberprüfung des
Leistungsstandards jedes
Schülers und schliesslich
mittels Noten bewertbare,
messbare Leistungen. Nur so
erleben die Schüler beim
Uebertritt in das Berufsleben
keine bösen Ueberraschungen.
Ganzheitliche
Sichtweise
Ich gehe mit
Kollege Mächler einig, wonach
der Lehrplan 21 aktuelle
Anliegen beinhaltet. Namentlich
die Wichtigkeit von
Fremdsprachenkenntnissen ist
nicht von der Hand zu weisen.
Der Lehrplan 21 ist aber zu sehr
ein Zielsetzungskatalog,
beleuchtet aber viele andere
Schulprobleme nicht. Die SVP
hatte deshalb das berechtigte
Anliegen, auch andere Aspekte
der heutigen Schulproblematik
anzusprechen. Diese Feststellung
hat Herr Mächler in seinen
Betrachtungen ausgeklammert. Wer
nämlich den SVP Lehrplan mit
genügender Aufmerksamkeit
durchliest, erkennt darin rasch
ein seriöses Thesenpapier. Vor
diesem Hintergrund ist die
Kritik der FDP nicht ganz
nachvollziehbar.
Oskar Gächter, Berneck
Mitglied der
Bildungskommission
Kantonsrat SVP
28.11.2010