Ein
Armutszeugnis für die Schweiz
Mit einer
würdigen Einweihungsfeier wurde
vor wenigen Wochen die alte
Schollenmühle im Altstätterriet
dem Publikum wieder zugänglich
gemacht. Anwesend war auch ein
Fernsehteam. Vergeblich wartete
man am Abend auf eine
Ausstrahlung im Schweizer
Fernsehen. Aber siehe da, das
österreichische Fernsehen
orientierte zur besten Sendezeit
um 19:00 Uhr umfassend über die
Schollenmühle. Ein Dank an die
Vorarlberger für ihr Interesse
an der Kultur und am uralten
Handwerk ihrer Schweizer
Nachbarn. Ein Armutszeugnis
aber… aus Sicht von uns
anwesenden offiziellen Schweizer
Gästen. Wie kam es dazu, dass
unser eigenes Fernsehen kein
Geld hatte, um einen Beitrag zu
produzieren?
Das Bundesland
Vorarlberg (370 000 Einwohner)
verfügt über ein eigenes
staatliches Radio und Fernsehen.
Im hochmodernen Vorarlberger
Medienhaus, wo Radio und
Fernsehen vereint sind, arbeiten
insgesamt weit über 100
Personen. Diese Dienstleistung
an die Vorarlberger Bevölkerung
lässt sich der Staat Oesterreich
jährlich sage und schreibe über
10 Millionen Schweizerfranken
kosten. Chapeau!!
Wie sieht der
Vergleich mit dem Kanton
St.Gallen (470 000 Einwohner)
aus? Unser staatliches Radio
(Regionaljournal), ein Fernsehen
haben wir keines, orientiert die
St.Galler Bevölkerung gerade
einmal täglich dreimal 5 Minuten
über das Tagesgeschehen im
gesamten Kanton. Die für die
Ostschweiz zuständigen privaten
Radio- und Fernsehstationen FM1
und TVO werden durch den Bund
jährlich mit mikrigen gut zwei
Milliönchen Franken unterstützt.
Für die Versorgung der gesamten
Ostschweiz mit Radio und
Fernsehen arbeiten ganze knapp
45 Personen. Dafür zahlt jeder
Haushalt jährlich über 400
Franken (Vorarlberg 300 Franken)
Radio- und Fernsehgebühren. Zum
Programm hat der zahlende
Schweizer jedoch nichts zu
sagen.
So werden die
Zuschauerzahlen von TVO halt
weiter sinken und wir reichen
Schweizer auch zukünftig
gezwungen sein, aktuelle
Informationen über unser
Rheintal in Vorarlberg zu holen.
Dort wird der Bürger über Radio
und Fernsehen rund um die Uhr
orientiert, was in seiner Heimat
läuft, auch wenn es den
hintersten Bregenzerwald
betrifft. Wenn wir St.Galler das
Schweizer Fernsehen einschalten,
hören und sehen wir, was in
einem Hinterhof in Beirut oder
Bagdad geschehen ist.
Interessieren tut das niemand.
Was aber gleichentags im
Rheintal, im Toggenburg oder im
Taminatal passiert ist, davon
hört und sieht das St.Galler
Volk nichts. Anstatt in der
Ostschweiz ein staatliches
Fernsehen einzurichten, schickt
der Bundesrat lieber jährlich
2,5 Milliarden Franken ins
Ausland. So erstaunt es
keineswegs, um wieder auf unsere
Heimat zurückzukommen, wenn die
Vorarlberger stolz auf ihr
kleines Ländchen sind,
währenddem wir St.Galler jede
gemeinsame Identität vermissen
lassen. Schuld daran ist auch
der Umstand, dass der Bundesrat
und die höchsten Medienbosse den
ländlichen Teil der Schweiz
medienmässig verhungern lassen.
Oskar
Gächter, Berneck 16.08.2010