Fusion der
politischen Mitte
Ein
Geheimtreffen der politischen
Mitte lässt aufhorchen. Laut
Sonntagszeitung wollen CVP, FDP
und BDP mit einer angeblichen
Allianz die Mehrheit im
Bundesrat sichern und den
Wahlkampf 2011 möglichst
gemeinsam führen. Sogar das Wort
„Fusion“ war in der Presse der
vergangenen Tage zu lesen.
Weshalb eigentlich ein
Geheimtreffen? Haben die drei
Parteien etwa Angst vor dem
eigenen Volk? Angst davor,
dieses Volk könnte die SVP bei
den nächsten Wahlen nochmals
stärken. Das könnte wohl der
Grund sein, weshalb die drei
Parteien gemeinsam marschieren
wollen, nach dem Prinzip „alle
gegen die SVP“. Ob diese
Rechnung bei den nächsten Wahlen
aufgehen wird?
Natürlich wissen die drei
Parteien, dass aufgrund der
aktuellen politischen
Grosswetterlage der Siegeszug
der SVP auch bei den nächsten
Wahlen kaum aufzuhalten ist.
Dementsprechend sehen sie sich
veranlasst, nicht alltägliche
Szenarien, bis hin zu einer
Fusion, zu thematisieren.
So
abwägig sind diese Ideen gar
nicht. Obwohl es mir fern liegt,
den Mitteparteien Empfehlungen
zu erteilen, könnte doch die
geäusserte Absicht der engeren
Zusammenarbeit zu
überlegenswerten
Schlussfolgerungen führen. Wir
erleben in der politischen Mitte
eine gefährliche Zersplitterung
der Kräfte, welche irgendwann
die politische Stabilität in
unserem Land nicht mehr
garantieren kann. Mit Fug und
Recht stellt sich der Bürger die
Frage, ob sich die politische
Mitte nicht neu erfinden muss.
Erstarken kann sie
voraussichtlich nur, wenn sie
ihre Kräfte bündelt und eine
einheitliche Marschrichtung
einschlägt. Die Fusion zu einer
starken Mittepartei könnte
tatsächlich eine denkbare Vision
sein. Ein System mit drei in
etwa gleich starken Blöcken
(SVP, Mittepartei, rot/grün)
nach ausländischem Muster hätte
nennenswerte Vorteile. Die
lästige Frage, ob CVP und FDP
noch Anrecht auf zwei
Bundesratssitze haben, wäre
beantwortet. Jeder Block hätte
Anrecht auf zwei Sitze. Der
siebte Sitz wäre dem dann zumal
vielleicht durch Volkswahl
ermittelten „besten Kopf“
vorbehalten. Die CVP könnte sich
dem zur Hypothek gewordenen „C“-
und die FDP dem Anstrich einer
ausschliesslichen
Wirtschaftspartei entledigen.
Beide Parteien hätten überdies
die Chance, sich von den
notorischen Abweichlern zu
trennen. Der St.Galler
Kantonsratssaal jedenfalls, mit
drei getrennten, in etwa gleich
grossen Sitzblöcken, wäre darauf
vorbereitet. Zudem würde eine
echte Alternative zu SVP und
rot/grün zusätzliche Farbe in
die Schweizer- und St.Galler
Politlandschaft bringen.
Oskar Gächter, Berneck
Kantonsrat SVP
17.05.2010