Mehrkosten anstatt
pädagogischer Mehrwert
In
unserem Kanton und auch im
benachbarten Vorarlberg hat sich
das System der Einschulung nach
dem Kindergarten während vielen
Jahrzehnten bewährt. Von 2004
bis 2008 wurden nun im Kanton
St.Gallen Neuerungen mit dem
Projekt „Basisstufe“
(Zusammenführung Kindergarten
und erste zwei Primarklassen)
erprobt. Zu diesem Zweck wurden,
teils gegen den Willen der
verantwortlichen Lehrkräfte, in
einigen Schulgemeinden
Pilotprojekte durchgeführt. Die
Versuche waren begleitet von
vielen kritischen Bemerkungen
anlässlich der
Unterstufenkonferenzen. Von
Beginn weg befürchtete man ein
Missverhältnis zwischen
Mehrkosten und pädagogischem
Mehrwert.
Nun
liegt der Schlussbericht der
Schulversuche im Kanton
St.Gallen vor. Nach reiflicher
Ueberlegung haben das
Bildungsdepartement und der
Erziehungsrat beschlossen, auf
eine obligatorische Einführung
zu verzichten. Obwohl sich die
Versuchsschulen schlussendlich
positiv äussern, ist die
Mehrheit der
Unterstufenlehrkräfte froh, dass
ein Marschhalt eingelegt wurde.
Man sieht in diesen Modellen
wenig Vorteile gegenüber dem
herkömmlichen Lernen in
Jahrgangklassen. Zu diesem
Schluss kam auch der Schulrat
Jonschwil-Schwarzenbach und hat
als Versuchsgemeinde
entschieden, wieder zum
Kindergartenmodell
zurückzukehren. Man kam zum
Schluss, dass auch das
herkömmliche System pädagogisch
sehr gute Leistungen erbringt
und die Basisstufe zu wenig
Vorteile aufweise. Andernfalls
müsste man die Basisstufe auch
in der Mittel- und Oberstufe
einführen. Der Erziehungsrat hat
Weitsicht bewiesen. Das Gros der
betroffenen Lehrkräfte stand dem
Modell nämlich skeptisch
gegenüber. Der Bildungschef hat
richtigerweise erkannt, dass
eine derart einschneidende
Reform ohne vorbehaltlosen
Rückhalt beim Gros der
Auszuführenden zum Scheitern
verurteilt ist. Der Entscheid
ist deshalb zu begrüssen. Er
wird hoffentlich dazu führen,
dass die im Volk wenig
abgestützte Reformitis in
unserem Bildungswesen etwas
gebremst wird.
Die
Zusammenführung von vier
verschiedenen Jahrgängen hätte,
abgesehen vom finanziellen
Aspekt, viele Kinder auch
überfordert. Gerade im
Vorschulalter ist das Wohl des
Kindes in jeder Hinsicht in den
Vordergrund zu stellen. Deshalb
überzeugt die Basisstufe als
pädagogisches Allerheilmittel
nicht vollumfänglich. Es stimmt
zuversichtlich, wenn der neue
Regierungsrat Kölliker auch auf
die Meinung erfahrener
Lehrpersonen setzt und nicht nur
auf der Linie von
Bildungstheoretikern fährt.
Zudem zeugt es von Mut und
Entschlossenheit, Schulversuche
kritisch zu begleiten und
nötigenfalls auch abzulehnen
Oskar Gächter, Berneck
Kantonsrat SVP
27.01.2010