Rentenkürzung: Die
Glaubwürdigkeit wird
entscheiden
(zur Abstimmung vom 07. März
2010)
Weshalb ist
die SVP St.Gallen anderer
Meinung als die SVP Schweiz?
Etwas Ungewöhnliches, könnte man
meinen. Gerne nehme ich zu der
auch mir in den letzten Tagen
oft gestellten Frage Stellung.
Gerade in der St.Galler SVP
politisieren und sympathisieren
mehr sogenannte Normalbürger als
in allen anderen Parteien. Diese
Leute gilt es in der zur
Diskussion stehenden Sache zu
vertreten. Sie finden es, aus
ihrer Sicht zurecht wie ich
meine, nicht in Ordnung, dass
ihre Renten gekürzt werden
sollen, nachdem Pensionskassen
und Lebensversicherer mit dem
Geld ihrer Kunden während Jahren
Milliardengewinne erzielten und
ihre Chefs mit Riesenboni und
goldigen Fallschirmen
ausstatteten.
Sicher wurde
damals, in einer Zeit hoher
Zinsen, der Umwandlungssatz mit
7,2% hoch angesetzt.
Mittlerweile wurde er aber
bereits einmal angepasst.
Ebenfalls leuchtet ein, dass die
Pensionskassen wegen der höheren
Lebenserwartung mehr Geld für
zukünftige Generationen
brauchen. Die Krux liegt aber
ganz an einem anderen Ort. Das
Volk traut der hohen Politik (classe
politique) nicht mehr über den
Weg und wird deshalb Nein
stimmen. Einmal mehr, wie
beispielsweise beim
Krankenversicherungsgesetz und
bei der Mehrwertsteuererhöhung,
fühlt sich der Bürger über den
Tisch gezogen. Den Befürwortern
der Vorlage fehlt ganz einfach
die Ueberzeugungskraft mit
klaren und einfachen Argumenten.
Sie sind zwar
täglich in der Zeitung
abgebildet, die für ein JA
werbenden bekannten Köpfe. Ihre
voraussichtlich nutzlose
Kampagne kostet erneut Dutzende
von Millionen. Besser wäre,
diese Elite würde sich nach der
mit an Sicherheit grenzenden
Wahrscheinlichkeit verlorenen
Abstimmung zu Wort melden und
Lösungen vorlegen, die das Volk
überzeugen. Ich befürchte aber,
dann wird man nichts mehr von
ihnen hören und sehen.
Spätestens im Vorfeld der
Abzocker- und
Ausschaffungsinitiative werden
wir ihre Köpfe in den Zeitungen
wieder sehen, und sie werden die
Abstimmung abermals verlieren,
im Gleichschritt mit der
Orientierungslosigkeit des
aktuellen Bundesrates.
Mein Herz
jedenfalls schlägt in dieser
Rentenfrage ebenfalls nicht für
die reichen Abgebildeten der
Ja-Kampagne. Sie würden es in
ihrer Geldtasche ohnehin nicht
merken, auch wenn der
Rentenumwandlungssatz nur noch
4% betragen würde. Deshalb fehlt
ihnen die Glaubwürdigkeit.
Oskar Gächter, Berneck
Kantonsrat SVP
17.02.2010