Eine Wahlanalyse mit
Fakten
Mit
grossem Interesse verfolgte ich
als nicht direkt Beteiligter die
nationalen Wahlen. Die
Wahlanalysen über die Parteien
und unsere regionalen Kandidaten
lösten teils doch etwas
Erstaunen aus. Man hätte meinen
können, nur die SVP sei die
Wahlverliererin. In den
Berichterstattungen weitgehend
ausgeblendet wurde die Tatsache,
dass CVP und FDP historische
Tiefststände erreicht haben und
im Falle der CVP sich auf dem
Niveau der Fünfzigerjahre
bewegen. Die einzigen wahren
Sieger sind die Neuen GLP und
BDP sowie die
Sozialdemokratische Partei. Dass
die SVP durch die Presse teils
etwas stiefmütterlich behandelt
wird, sind wir uns gewohnt, denn
starke Institutionen erzeugen
Neid und werden gerne etwas
zurückgebunden. Wenn man aber
die tatsächlichen Fakten der
Rheintaler Kandidaten(innen)
betrachtet, sieht die Welt doch
etwas anders aus. Haben doch die
zwei SVP-Vertreter Büchel
und Huser insgesamt 75 000 (!)
Stimmen erzielt, währenddem die
drei Kandidaten der CVP
Mattle, Ritter und Ammann es
gerade einmal auf 45 000 Stimmen
brachten. Dem nüchternen
Betrachter wird somit klar, wer
heutzutage im Kanton St.Gallen
politisch klar die erste Geige
spielt. Erfreulich im regionalen
Umfeld allerdings sind die
Resultate der zwei jungen
Rheintaler Damen Bucher und
Mattle, wo die St.Margretherin
Laura Bucher sogar die neue
GLP-Nationalrätin Kessler hinter
sich liess. Ganz nebenbei sei
noch erwähnt, dass Herbert Huser
als erstmals kandidierender
Rheintaler das weitaus höchste
Resultat erzielte und sich somit
beste Voraussetzungen für die
bevorstehenden
Regierungsratswahlen geschaffen
hat. Ein weiteres Detail ist die
Tatsache, dass der
Letztplazierte der SVP-Liste
doppelt so viele Stimmen
erzielte, wie die gewählten
Markus Ritter und Margrit
Kessler. Das soll die
Kräfteverhältnisse in unserem
Kanton widerspiegeln und nichts
über die Qualität der beiden
Gewählten aussagen. Wer vor
diesem Hintergrund aber von
einer geschwächten SVP spricht,
verkennt die Realität.
Was
heisst nun der nationale Trend
für die kommenden
Kantonsratswahlen vom 11. März
2012? Man darf gespannt sein,
mit welchen Leuten die zwei
neuen Parteien GLP und BDP
antreten werden. Sie müssen
jetzt Basisarbeit leisten, soll
es ihnen nicht ergehen wie zB.
der ehemaligen LdU oder der
Autopartei, welche selbst mit
grösseren Wähleranteilen wieder
von der Bildfläche verschwanden.
Dabei stark in der Verantwortung
steht nun natürlich die neue
GLP-Vorzeigefrau Kessler. Die
SVP würde sich natürlich über
eine möglichst breite- und vor
allem ernstzunehmende Konkurrenz
freuen. Anderseits würde eine
Stärkung der BDP und GLP die
politische Mitte auch im Kanton
St.Gallen noch mehr zersplittern
und sie gleichzeitig diffuser
und schwerer fassbar machen. Die
Folge wären noch mehr taktische
Päckli, anstatt tragfähige
Lösungen.
Oskar Gächter, Berneck
Kantonsrat SVP
03.11.2011