Vorarlberger
Landesrat auf Abwegen
Gerade im
Doppelpack haben Vorarlberger
Persönlichkeiten den ihres
Erachtens zögernden Atomausstieg
der Schweiz angeprangert. Sie
wollen gegen unser AKW Mühleberg
Klage erheben. Ich behaupte,
dass die Gefahr der Ueberflutung
des oberen Rheintales durch
einen Staudammbruch im
nahegelegenen Lünersee (Brandnertal)
grösser ist, als ein Unfall im
250km entfernten AKW Mühleberg.
Sowohl Landesrat (Regierungsrat
im Vorarlberg) Erich Schwärzler
als auch die bekannte
Naturschützerin Hildegard
Breiner bekamen vom St.Galler
Tagblatt fast ganzseitige, mit
grossen Bildern versehene
Podien. Als Mitglied der
St.Galler Aussenbeziehungen im
Kantonsrat kann mir diese
Einmischung in die inneren
Angelegenheiten der Schweiz
nicht egal sein, und sie bedarf
deshalb einiger Bemerkungen.
Unweit der
Schweizergrenze, in Lustenau/Fussach
befindet sich die
umweltbelastende, riesige
Abfalldeponie des Bundeslandes
Vorarlberg. Die Oesterreicher
weigern sich nach wie vor,
Kehrichtverbrennungsanlagen zu
bauen. Soll der Kanton St.Gallen
deshalb Klage erheben? Im
Gegenteil, mehr als 30 Lastwagen
wöchentlich (!) transportieren
Tausende Tonnen Vorarlberger
Restmüll nach Buchs, um dort in
unserer Anlage verbrannt zu
werden. Jeden Morgen benutzen
Tausende von Vorarlbergern fast
gratis den ökologisch unsinnigen
Umweg der Schweizer Autobahn, um
an ihre Arbeitsplätze im
Fürstentum Liechtenstein zu
gelangen. Vorarlberg ist
offensichtlich nicht in der
Lage, in Absprache mit
Liechtenstein, das
Verkehrsproblem Feldkirch zu
lösen. Der auch für die
Landwirtschaft zuständige Schwärzler
toleriert, dass, nicht gerade im
Sinne der Umwelt, die
Vorarlberger Tierkadaver in
einer 10-stündigen Zugfahrt nach
Wien (!) transportiert- und erst
dort verbrannt werden. Vorher
werden die Kadaver bereits
mehrere Tage in Vorarlberg
„gelagert“.
ÖVP-Politiker
Schwärzler hätte also genügend
notwendige Betätigungsfelder im
eigenen geographischen
Zuständigkeitsbereich. Der
Landesrat liebt seine
überschaubare Heimat des
Bregenzerwaldes über alles. Es
erstaunt deshalb, dass er sich
auf die Äste der internationalen
Politik wagt. Als Irrweg, wie
der Landesrat die Schweizer
Atompolitik bezeichnet, ist auch
seine Forderung nach dem
sofortigen Atomausstieg
einzustufen. Weniger Irrweg wäre
die Einhaltung eines Grundsatzes
der alten Eidgenossen: „Mischt
euch nicht in fremde Händel!“
Mit diesem Leitsatz sind wir
beidseits des Rheines auch heute
noch gut beraten. Und möchte
Schwärzler seinen direkten
Nachbarn wirklich einen guten
Dienst erweisen, möge er doch
seinen Amtskollegen Rüdisser
unterstützen, um die
grenzüberschreitenden
Verkehrsprobleme besser in den
Griff zu bekommen.
Oskar Gächter, Berneck
Kantonsrat SVP
16.06.2011