Sachpolitik oder Kampf um das
politische Ueberleben?
(Antwort auf den Leserbrief
Werner Ritter vom 26.01.11)
Leserbriefschreiber Ritter weiss
genau, dass er mit dem Thema
„Spitalschliessungen“ bei seinen
Wählern mit Blick auf seine
Wiederwahl als Kantonsrat
punkten kann. Zielführender wäre
aber, seine Ausführungen würden
der Neuzeit entsprechen,
zukunftsgerichtet sein und der
Sache dienen.
Dass die
Infrastruktur des Spitales
Altstätten nach einer
Investition von 100 Millionen
Franken besser sein wird, merkt
auch ein SVP-Vertreter. Nur
stellt sich die SVP zusätzlich
Fragen weitreichender Natur. Ist
es sinnvoll, über 1 Milliarde
Schweizerfranken in über 100
Jahre alte, falschplazierte
Spitäler zu stecken? Können wir
uns die wahrscheinlich weltweit
einmalige Situation, nämlich
vier Spitäler auf wenigen
Quadratkilometern, noch leisten?
Müssten nicht mindestens
Alternativen geprüft werden?
Absolut verlässliche
gesamtschweizerische Studien
geben eine glasklare Antwort,
nämlich, dass wir über die
Bücher gehen müssen. Allein die
ins Unermessliche steigenden
Krankenkassenprämien zwingen
uns, die hohe
Spitalkonzentration in unserem
Land grundsätzlich zu
überdenken.
Dass Kollege
Ritter bereits von geschlossenen
Spitälern und längeren
Anfahrtswegen spricht, macht ihn
zum Hellseher. Wir wären schon
dankbar, wenn er mithelfen
würde, wenigstens Alternativen
zu prüfen. Vielleicht würde er
dabei dann die Unterstützung
einer fehlgeleiteten St.Galler
Spitalpolitik etwas zu
hinterfragen beginnen. Er zieht
es aber vor, in das Boot unserer
Regierungsrätin Heidi Hanselmann
zu sitzen. Auch sie will
bezüglich Spitalpolitik mit
unrealistischen Versprechen an
die St.Galler Bevölkerung ihre
Wiederwahl sichern. Von Advokat
Ritter hingegen dürfte man
erwarten, dass er als gescheiter
Historiker seinen Blickwinkel
nicht nur in die Vergangenheit
richtet, sondern die Augen auch
für die Zukunft öffnet.
Vernunft ist in
der Gesundheitspolitik gefragt,
da gebe ich Kantonsratskollege
Ritter recht. Die Frage stellt
sich nur, ob seine starrsinnige
Haltung oder die seriösen
Untersuchungen von
Gesundheitsfachleuten Schule
machen werden. Diese Studien
kommen alle zum gleichen
Schluss: Das engmaschige
Schweizer Spitalnetz lässt sich
aus Kostengründen längerfristig
nicht aufrechterhalten. Es sei
denn, wir tolerieren als
Steuerzahler, dass täglich mehr
Leute (aktuell sind es etwa 200
000) ihre Krankenkassenprämien
nicht mehr zahlen können und
somit die Allgemeinheit dafür
aufzukommen hat.
Oskar
Gächter, Berneck 01.02.2011