Asylwesen läuft
aus dem Ruder
(Rheintaler vom 30.12.11, „Ein
Zentrum für Dublin-Fälle“
Rekordhohe Zahlen
von Asylsuchenden machen aktuell
auch dem Kanton St.Gallen wieder
erhebliche Sorgen. Unsere
Gastfreundschaft und humanitäre
Tradition werden zusehends
belastet und auch ausgenutzt.
Immer mehr echte und unechte
Asylbewerber überfüllen unsere
Aufnahmeunterkünfte. Das rief
kürzlich die St.Galler
Vereinigung der
Gemeindepräsidenten auf den
Plan, indem sie ein neues
Asylzentrum im Kanton fordert.
Es ist nicht nötig,
Liegenschaften zu suchen. Wir
haben genügend Militär- und
Zivilschutzunterkünfte. Man muss
nur miteinander sprechen und auf
allen Stufen (Gemeinde, Kanton,
Bund) guten Willen zeigen.
Zweitens greift der Vorwurf
eines Gemeindepräsidenten zu
kurz, wenn er dem Bund die
Schuld zuschiebt. Wenn die
Papiere eines Asylbewerbers
nicht auffindbar sind, kann
seine Herkunft eben nicht
zugeordnet werden. Viel
sinnvoller wäre, unsere
Gemeindeväter würden im Rahmen
ihrer politischen Verantwortung
mithelfen, das Problem an der
Wurzel zu packen und ihren
Einwohnern dadurch viel Geld zu
sparen.
Im Asylwesen
läuft in unserem Land auf dem
Buckel des Steuerzahlers das
politisch grösste und teuerste
je in der Schweiz gesehene
Trauerspiel, weil es uns
jährlich zwei Milliarden Franken
kostet (das Swissairgrounding im
Vergleich kostete 1x zwei
Milliarden), weil die Verfahren
viel zu lange dauern, weil das
Asylabkommen (Dublin) nicht
funktioniert, weil wir die
Grenzen geöffnet haben, weil wir
für Asylanten viel zu attraktiv
sind, weil das Asylgesetz nicht
konsequent angewendet wird und
somit die Bundespolitik versagt.
Als Beispiel sei erwähnt, dass
nach ehrlichen Schätzungen bei
einer ehemaligen
Anerkennungsquote von ca 10%
heute nahezu 60% der
Asylbewerber im Land bleiben
oder dass mehr als ein Drittel
der Rückführungen in das
Heimatland scheitern.
Was ist zu
machen? Wir müssen uns mit der
bedenklichen Entwicklung endlich
kritisch auseinandersetzen. Die
Wiedereinführung der Visapflicht
für aussereuropäische Staaten
und von Grenzkontrollen sind
ernsthaft zu prüfen. Im
Asylgesetz sind unverzüglich
Voraussetzungen zur
Beschleunigung der Verfahren zu
schaffen. Das Strafrecht ist
endlich konsequent zu
vollziehen, zB. bei
unakzeptablem Verhalten von
Asylsuchenden. Bei allen diesen
Punkten stehen die
Gemeindepräsidenten als starke
politische Kraft im Kanton in
der Mitverantwortung. In diesen
Belangen müssen sie Druck auf
die kantonale Regierung ausüben,
nicht in der nebensächlichen
Suche nach einer neuen
Asylunterkunft.
Oskar
Gächter, Berneck 14.02.2012